TU Berlin

Nachhaltige Städte und Gemeinden - Ziel 11

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Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten - Ziel 11

"Zu lebenswerten Städten gehört gute Arbeit, nachhaltige Infrastruktur und Mobilität, Gesundheit und Teilhabe der Menschen. Lebenswerte ländliche Räume und Dörfer mit guten Arbeitsplätzen und Infrastrukturen dämpfen den Drang in die Städte. [...] Weltweit leben mehr als die Hälfte, in Deutschland sogar drei von vier Menschen in Städten. Prognostiziert wird, dass bis zum Jahr 2050 etwa 66 bis 75 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Das führt zu erheblichen Herausforderungen – und zwar länderübergreifend. [...] Auch die Mobilität der Menschen und ihr Zugang zu bezahlbarem Wohnraum sind entscheidend für die Lebensqualität und damit große Herausforderungen für die Stadtentwicklungspolitik. Die inklusive Stadt muss den Menschen aber auch den besten Zugang zu Bildung und gesundheitlicher Versorgung bieten."

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Auf dem Campus der TU Berlin sollen grüne Oasen zum Verweilen einladen

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Die Projekte im Nachhaltigkeitsprojektverbund „Campus-Gestaltung“ haben grüne Oasen im Blick, die zum Verweilen einladen sollen. Die Projektwerkstatt „Benchmark Reloaded“ hat ihren Fokus auf den Campus als Ort der Lehre, des Lernens, der Erholung, der Kommunikation und der Partizipation gelegt. Mit selbst gebauten Freiraummöbeln wollen sie auf dem Campus studentische Arbeitsplätze im Freien schaffen. Das Projekt „Essbarer Campus“ der Projektwerkstatt „Campus in Transition“ möchte einen Obstbaumlehrpfad an der TU Berlin anlegen, der von 20 fruchttragenden Sträuchern und 11 Obstbäumen gesäumt wird. Der Idee des essbaren Campus widmet sich auch das Projekt „CampusGärten Charlottenburg – urbane Landwirtschaft in Lehre, Forschung & Praxis“. Es sieht vor, verschiedene Flächen des Campus Charlottenburg durch urbanes Gärtnern nachhaltig zu nutzen.

https://www.tu-berlin.de/?197225

 

 

Campus in Transition - Projektwerkstatt

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Die Projektwerkstatt Campus in Transition ist eine der ersten Transition-Initiativen an einer deutschen Universität. Die weltweite Transition-Bewegung hat zum Ziel, resiliente und nachhaltige Stadtgemeinschaften zu schaffen, um möglichst unabhängig von fossilen Rohstoffen zu werden. Dies umfasst meist Maßnahmen, welche eine Verbrauchsreduktion der Gemeinschaft (Nachbarschaft) herbeiführen und durch intensive Vernetzung Kreisläufe herstellt. 

Auch die Universität kann als Lebensumfeld begriffen werden und so scheint es sinnvoll, den Transition Ansatz auch dorthin zu übertragen. So hat die Projektwerkstatt zum Ziel, vor allem ein starkes Nachhaltigkeitsnetzwerk an der TU aufzubauen und Ideen einer nachhaltigeren Lebensweise an den Campus zu tragen. Dies wird vor allem durch die Website umgesetzt, welche alle Nachhaltigkeitsprojekte auf dem Campus gebündelt darstellt, sowie Vernetzungstreffen und Aktionen auf dem Campus. So wurde bspw. der "Essbarer Campus" eröffnet mit dem Ziel, in Zukunft auf dem ganzen Campus Obstbäume zu pflanzen. Eine andere Aktion ist die Fahrrad-Küfa (Küche für alle), bei der per Lastenrad Gerichte aus geretteten Lebensmitteln verteilt werden. Im Wintersemester 18/19 wurde ein Kleiderschenk- und Kabelreparaturevent in Kooperation mit der Hochschulgruppe von Murks? Nein Danke! und dem TUdo-Makerspace im Wiwi-Café veranstaltet. Eine weitere Gruppe hat eine Karte erstellt, die Orte zeigt, an denen sich die Studierende engagieren oder mal kurz vom Unialltag Abstand nehmen können.

Durch Campus in Transition konnten bereits viele Projekte rund um das Thema Nachhaltigkeit etabliert werden und der Vernetzungsprozess aller Projekte wurde erfolgreich angestoßen. Die Bewegung gewinnt immer mehr an Zulauf.

Campus in Transition -  - www.campus-in-transition.de 

 

 

Design-Build Projekt Campus Bella Vista –Landwirtschaftsschule und Internatsgebäude

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In der Debatte um globale Themen wie wachsende Urbanisierung, Landflucht, Klimawandel und Armutsbekämpfung spielt die Suche nach lokal wirksamen Lösungsvorschlägen eine wesentliche Rolle. Für Architekten stellt sich die Frage nach dem Beitrag ihrer Profession in diesem Kontext. 

Das Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion von Prof. Pasel an der TU Berlin hat sich dieser Aufgabe mit einem interdisziplinären und langfristig angelegten Projekt für das andine Dorf Bella Vista in Bolivien gewidmet. In einer internationalen Kooperation mit der gemeinnützigen Organisation Fundación Cristo Vive Bolivia, die sich der Armutsbekämpfung in Lateinamerika widmet, haben 70 Studierende der TU Berlin unter Leitung von Prof. Pasel und seinem Assistententeam den Bau einer Landwirtschaftsschule und eines Internatsgebäudes entworfen, geplant und gemeinsam mit den lokalen Partnern vor Ort eigenhändig umgesetzt. Die seit 2013 laufende Kooperation hat zum Ziel, die von der NGO gegründete Berufsschule Instituto Tecnológico Sayarinapaj für den Bereich Landwirtschaft nicht nur räumlich zu erweitern, sondern vielmehr ein integrales, langfristiges Konzept für einen Agronomie Campus als Vorzeigeprojekt zu entwickeln.

Der Campus, auf dem jungen Menschen eine berufliche Perspektive auf dem Land geboten wird, wird zu einem Innovationszentrum im Bereich der integralen Berufsausbildung, Wasser- und Abfallmanagement und der ökologischen Landwirtschaft in der Region entwickelt. Das Projekt dieser Campus-Erweiterung ist ein Beispiel dafür, wie in einer internationalen Kooperation zwischen Hochschulen, NGO’s und lokalen Handwerkerinnen und Handwerkern relevante Fragestellungen einer sozial- und umweltverträglichen Architekturentwicklung bearbeitet werden können. Die Auseinandersetzung mit Aspekten des Klimawandels wird im Rahmen dieses Projektes auf den verschiedenen architektonischen Ebenen – Konstruktion, Material, Raum – aber auch auf gesamtgesellschaftlichen – Kooperation, Wissenstransfer, Armutsbekämpfung – geführt. Angelegt als Lehr-, Forschungs- und Realisierungsprojekt umfasst die Arbeit an dem Landwirtschaftscampus sowohl die Planungs- als auch die Ausführungsprozesse wie auch die Evaluation und Reflexion.

Prof. Ralf Pasel-Krautheim -  - Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion - CODE –Construction and Design - bellavista.code.tu-berlin.de/projekt

 

 

die klügste Nacht des Jahres wird nachhaltig - Lange Nacht der Wissenschaften 2019

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Die Lange Nacht der Wissenschaften ist eine etablierte Plattform, um Inhalte der Forschung für die Bevölkerung erlebbar zu mache. Sie ist an der TU Berlin nicht mehr wegzudenken, denn jährlich werden über 200 Projekte und Aktionen für Besucherinnen und Besucher geöffnet. In den Jahren 2017, 2018 und 2019 konnte mit je fast 50 Projekten mit Nachhaltigkeitsbezug ein Anteil von 20% gehalten werden. 2019 wurden Projekte mit besonderer Nachhaltigkeitsausrichtung im Programm gesondert hervorgehoben. Es gab zudem einen von der Projektwerkstatt Campus in Transition organisierten Nachhaltigkeitsmarkt.

Lange Nacht der Wissenschaften - www.lndw.tu-berlin.de - Campus in Transition - https://www.campus-in-transition.de/

 

 

Distribute - Grüne Kiez-Lieferketten für die Stadt von morgen.

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Distribute ist ein seit 2017 durch das BMBF gefördertes Forschungsprojekt im Bereich Smart Service Stadt. In ihm arbeiten vier Fachgebiete der TU (Bestandsentwicklung und Erneuerung von Siedlungseinheiten, Entrepreneurship und Innovationsmanagement, Strategische Führung und Globales Management sowie Logistik) mit weiteren Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung zusammen. Das Projekt erprobt in zwei Berliner Quartieren ein neues System der Warenlieferung mit E-Lastenfahrrädern. Außerdem werden zwei- und dreirädrige E-Lastenräder an zwei Stationen zur privaten Nutzung ausgeliehen. Damit soll für gewerbliche Nutzer/innen ein Angebot geschaffen werden, die letzte Meile mit einem Transportmittel ohne Verbrennungsmotor zu gestalten. Gleichzeitig besteht das Angebot für Privatpersonen, die größere Gegenstände, Kinder oder Tiere transportieren möchten. Der elektrische Antrieb ermöglicht es allen Nutzer/innen, komfortabel auch eine schwere Zuladung zu bewegen.

Beide Bereiche werden in Reallaboren erprobt sowie schrittweise und ko-kreativ aufgebaut, um das Lastenradsystem auf die speziellen Anforderungen vor Ort auszurichten. Mit Anwohner/innen und Unternehmen konnten wir in bisher acht Urban Labs auf der Grundlage der Methode Urban Design Thinking Erkenntnisse und Lösungen für die Komponenten Buchungssystem, Abstellmöglichkeiten, Fahrradausstattung und Serviceangebote gewinnen. Zwei weitere Labs sind geplant, in denen es um die Entwicklung von zukunfts- und tragfähigen Geschäftsmodellen gehen wird. Das Projekt verfügt außerdem über eine Partizipationsplattform (www.piazza-lab.com/berlin/distribute), auf der online neue Ideen und Kommentare verfasst werden können, die in den Aufbau des Betriebs einfließen.  

Die Quantifizierung der verdrängten Fahrleistung mit Verbrennungsmotor wird durch eine Befragung der Nutzer/innen vorgenommen und damit ihr Mobilitätsverhalten analysiert. Dabei wird ermittelt, welches Transportmittel sie für welche Wege alternativ verwendet hätten. Dies bildet die Grundlage zur Berechnung der Einsparungen an klimarelevanten Gasen und anderen Luftschadstoffen wie Partikel (u.a. Feinstaub) und Stickoxide. Des Weiteren wird abgefragt, ob sich durch ein solches Angebot auch der eigene Fuhrpark ändern könnte. Dies ist relevant, um veränderte Flächenbedarfe und die ökologischen Wirkungen, die mit der Nutzung von E-Lastenfahrrädern verbunden sind, ermitteln zu können.

Florian Hutterer -  - Fachgebiete: Bestandsentwicklung und Erneuerung von Siedlungseinheiten; Logistik; Entrepreneurship und Innovationsmanagement; Strategische Führung und Globales Management und Centre for Entrepreneurship - www.tu-berlin.de/?188166 - www.distribut-e.de 

 

 

Ein Campus im baulichen Nachhaltigkeitswandel?

Beitrag von Nicolas Kerz, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Referat Nachhaltiges Bauen, Alumni der TU Berlin und externes Mitglied des Nachhaltigkeitsrates der TU Berlin

Status Quo

Wenn man als Absolvent der TU Berlin nach mehr als 20 Jahren über den TU-Campus am 17.Juni geht und sich die Gebäude von innen und außen betrachtet, stellt man schnell fest – es ist noch ganz Vieles so wie schon während des Studiums. Man bewegt sich sicher zwischen den Gebäuden, kennt die Haupt- und Nebenwege, die Abkürzungen, die Kommunikationszonen, die schönen und die weniger schönen Ecken, erkennt Neues und wundert sich über Altes, was auch schon vor 20 Jahren sanierungswürdig war. 

Beim zweiten Blick stellt man sich als Bauingenieur die Frage, wie wohl der „Bauliche Masterplan Nachhaltigkeit“ für den Campus aussieht, da die Gebäude selbst keine direkte Auskunft über die bestehenden bzw. geplanten Nachhaltigkeitsmaßnahmen des Campus liefern. 

Mit ein wenig Rechercheaufwand stellt man fest, dass die TU Berlin Vorreiter für Klimaneutralität werden möchte, Begriffe wie „Sustainable Campus“ tauchen auf und dass die Lehre zu Nachhaltigkeitsthemen im Bauwesen gut aufgestellt ist. Der Nachhaltigkeitsrat informiert und regt an, Transparenz und Berichterstattung sind wichtig – somit ist die TUB eigentlich viel weiter als vor 20 Jahren – man möchte also in den nächsten Jahren noch einiges bewegen.

Als externes Mitglied des Nachhaltigkeitsrates für den Bereich „Nachhaltiges Bauen“ interessiert man sich natürlich für die Gesamtstrategie der TU Berlin. Man sucht nach den „Sustainability Keywords“ und fragt sich, ob alle am Bau Beteiligten die Sprache der Nachhaltigkeit ausreichend gut beherrschen geschweige verstehen.

  • Wie lauten wohl die „SDG’s“ - die Sustainable Development Goals für die bauliche Transmission 2030 oder gar 2050?

  • Wird Nachhaltigkeit mit Ökologie und Ökologie mit Energieeffizienz gleichgesetzt?

  • Wie ist der Status Quo des Bestandes im Hinblick auf den „Carbon Footprint“ oder möchte man vielleicht zukünftig über GWP total oder doch lieber über GWP luluc berichten. 

  • Stellen die SVHC´s oder eher die TVOC´s in der Zukunft Probleme für den Campus dar?

  • Wo liegen die Unterschiede zwischen Sustainable Campus, Green Campus, Zero Waste Campus, Triple Zero Campus, braucht man ggf. einen Low Radiation Campus, wann kommt der Free Accessibility Campus?

In der heutigen Zeit erscheint es somit unumgänglich zu sein, sich zu Zielen bekennen zu müssen und diese in der Regel durch markante Anglizismen zu unterstreichen. 

Das was aber wirklich im Vordergrund stehen sollte ist die einfache Frage: Haben wir im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung die im eigenen Zuständigkeitsbereich zur Verfügung stehenden Potenziale identifiziert und genutzt?

Aber nochmal zurück auf Start

Selbst wenn man sich noch nie mit den detaillierten Nachhaltigkeitsaspekten im Bauwesen auseinandergesetzt hat, gilt immer eine „Goldene Regel“ – ohne Potenzialanalyse auch keine Nachhaltigkeitsoptimierung bzw. sinnvolle Entwicklungsziele (SDG’s). 

Für den Campus der TU Berlin bedeutet dies u.a. eine Analyse der Liegenschaft mit seinen Gebäuden hinsichtlich:

  • Potenzialanalyse der versiegelten Flächen zu unversiegelten Flächen im Hinblick auf eine Nachverdichtung oder Entsiegelung,

  • Potenzialanalyse des Gebäudebestandes bzgl. Denkmalschutzauflagen an Fassaden und Dächern im Hinblick auf Fassadenbegrünung und Gründächer als Beitrag zur Reduzierung von Wärmeinseleffekten, Verbesserung der Biodiversität und des Mikroklimas,

  • Potenzialanalyse hinsichtlich der Möglichkeiten zur Nutzung regenerativer Energien (u.a. PV, Solar),

  • Potenzial des liegenschaftsbezogenen Energiemanagements im Hinblick auf Lastverteilungen im Bereich des Kälte-Wärme-Managements,

  • Potenzial im Bereich des Nutzflächenangebotes im Hinblick auf ein dynamisches Flächenmanagement und zukünftige Arbeitsformen (u.a. Work-Space 2030), 

  • Entwicklungspotenzial im Bereich zukunftsfähiger Kälteerzeugung / zukunftsfähiger Kältemittel im Hinblick auf die F-Gas-Verordnung,

  • Potenzial für standortbezogene Regenwasserbewirtschaftung im Hinblick auf Starkregenereignisse und Folgeschäden

  • Potenzial der standortbezogenen Ressourcenverfügbarkeit im Hinblick auf Urban Mining Strategien

  • Gefährdungspotenzialanalyse im Hinblick auf den bestehenden Eintrag von Schwermetallen in die Umwelt aus Oberflächenbeschichtungen oder -veredelungen sowie Eindeckungen,

  • dem Wandel vom Effizienzansatz zum Suffizienzansatz.

Neben den großen Potenzialanalysen sind die eigenverantwortlichen Bereiche der TU Berlin in Abgrenzung zu der Senatsverwaltung sowie die Alltagsprozesse in der Verwaltung im Hinblick auf eine nachhaltige Beschaffung gleichermaßen von Bedeutung. Auch hier gilt für das Bauwesen eine „Goldene Regel“ – nur wer Qualitäten fordert, beschreibt und gezielt ausschreibt, bekommt diese auch angeboten und geliefert. Darüber hinaus kann auch durch freiwillige Einführung von Qualitätskontrollen bei der TU Berlin orientierend an Bewertungssystemen zum nachhaltigen Bauen zu einem Gelingen des Masterplans beitragen werden. 

Dabei ist klar ersichtlich, dass viele dieser Fragestellungen und Untersuchungen schon immer mit baulichen Entscheidungen direkt verknüpft waren und sind – diese ganzheitlichen Betrachtungsansätze scheinbar ein wenig in Vergessenheit geraten sind. 

Langfristige Nachhaltigkeitsstrategie

Erst mit der Identifikation der Problemfelder und der bestehenden Potenziale kann eine Nachhaltigkeitsstrategie für 2030 oder gar länger für die baulichen Maßnahmen der TU Berlin abgeleitet werden. Die konkreten Maßnahmen unter Berücksichtigung der bestehenden Wechselwirkungen zu den formulierten TU-spezifischen Nachhaltigkeitszielen stellt dabei die größte zu nehmende Hürde dar. Denn Nachhaltiges Bauen heißt Entscheidungen nach Abwägung aller Randbedingungen zu treffen. Diese ändern sich permanent, die Transmission erfolgt im laufenden Betrieb und somit gibt es oftmals kein absolut richtig oder falsch. Wichtig ist es, den Dreiklang der Nachhaltigkeit bei seinen Entscheidungen immer wieder zu hinterfragen, zu dokumentieren und zu diskutieren.

Als Universität stehen die sozialen Verantwortlichkeiten der Ökologie und Ökonomie in nichts nach. Der große Vorteil ist dabei, dass die TU Berlin mit ihren Fachgebieten über das baufachliche Wissen verfügt und man den interdisziplinären Findungsprozess selbst initiieren könnte. Nachhaltiges Handeln bedeutet dabei nicht nur Lippenbekenntnisse zu formulieren, sondern Aktivitäten zu zeigen und diese auch auf dem Campus sichtbar darzustellen. Hier können alle Akteure von der Leitung, der Bauverwaltung, den Fachgebieten bis hin zu den Studierenden gleichermaßen zum Gelingen beitragen. Ein wesentlicher Teil der Transformation wäre dabei der Rollenwechsel aus dem eher reaktiven in den aktiven Bereich - Ein aktiver Umbau des Campus!

Wie ist die derzeitige Wahrnehmung

Wie sehen die Einzelbausteine der Nachhaltigkeitsstrategie der TU Berlin und deren Meilensteine zur Umsetzung in der derzeitigen Wahrnehmung aus? Es erscheint für Außenstehende nicht klar, wohin und wie schnell die „Reise“ gehen soll, wie haben sich interne Prozesse geändert bzw. wo liegt der Unterschied zum bisherigen Bauen an der TU Berlin. Selbst wenn die Ziele schon formuliert sind, gibt es noch kein bauliches Maßnahmenprogramm für den Campus hinsichtlich einer zeitaufgelösten Umsetzung bzgl. 2030 oder 2050. 

Wenn man aber bis 2030 für den Gebäudebereich etwas Messbares erreichen möchte, ist keine Zeit mehr für Zögern! Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird keine der laufenden Maßnahmen in den nächsten 10 Jahren baulich nochmal überarbeitet, somit müssen die laufenden Projekte die übergeordneten Nachhaltigkeitsziele auch schon heute bestmöglich unterstützen.

Nicolas Kerz - BBSR - Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung -  

 

 

Hertzallee - Verlängerung und Neugestaltung

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Am 20. April 2018 wurde die „Campusöffnung“ durch die Neugestaltung der verlängerten Hertzallee präsentiert. Eingeladen sind nicht nur die Studierenden von TU Berlin und UdK Berlin, auch die Öffentlichkeit kann und soll eintreten. Der Entwurf für die Neugestaltung entstand im Rahmen des Wettbewerbs „Campus Charlottenburg – verlängerte Hertzallee“ im Herbst 2014 und wurde durch die Bürogemeinschaft Lavaland & Treibhaus Berlin umgesetzt. 

Nun beleben Aufenthalts-, Ruhe- und Spielbereiche den Weg, und neue Laternen sorgen für Beleuchtung am Abend. Die ehemalige Kurfürstenallee verläuft über den Campus Charlottenburg und verbindet den Ernst-Reuter-Platz über Fasanenstraße und Hertzallee mit dem Hardenbergplatz am Bahnhof Zoo. Die historische Verbindung ist durch die Neugestaltung nun in einem ersten Abschnitt wieder erlebbar. 

Es ist eine Fortführung der Neugestaltung bis zum Ernst-Reuter-Platz in einem zweiten Abschnitt geplant. Die neu gestaltete Hertzallee wird damit zur wichtigen Wegeverbindung zwischen öffentlichem Nahverkehr, Bibliothek, Mensa und Instituten und leistet einen Beitrag zur Einbindung des Campus in den umgebenden Stadtbezirk.

Bettina Klotz -  - www.tu-berlin.de/?146768 

 

 

Hitzewellen in Berlin

Das DFG-geförderte Forschungsprojekt "Hitzewellen in Berlin - Stadtklimamodifikationen" beschäftigt sich mit der Erforschung der wechselseitigen Interaktionen von Hitzewellen mit der Stadtatmosphäre.

Insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel, der bereits jetzt zu einem häufigeren Auftreten von Hitzewellen in Berlin führt, können die Forschungsergebnisse dazu genutzt werden, wie sich Städte strukturell verändern können, um die Auswirkungen von Hitzewellen auf die Bevölkerung zu mindern und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind die Analyse von Klimadaten seit Ende des 19. Jahrhunderts, die Untersuchung von Stadtstrukturen und wie diese zeitliche und räumliche Charakteristiken von Hitzewellen verändern, sowie die Analyse von hitzebedingten Gefährdungen und Risiken durch Hitzewellen unter rezenten und zukünftigen klimatischen Bedingungen.

Prof. Dr. Dieter Scherer und Daniel Fenner -  -  Fachgebiet Klimatologie - www.klima.tu-berlin.de/heatwaves

 

 

Lange Nacht der Wissenschaften

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Die Lange Nacht der Wissenschaften ist eine etablierte Plattform, um Inhalte der Forschung für die Bevölkerung erlebbar zu mache. Sie ist an der TU Berlin nicht mehr wegzudenken, denn jährlich werden über 200 Projekte und Aktionen für Besucherinnen und Besucher geöffnet. In den Jahren 2017, 2018 und 2019 konnte mit je fast 50 Projekten mit Nachhaltigkeitsbezug ein Anteil von 20% gehalten werden. 2019 wurden Projekte mit besonderer Nachhaltigkeitsausrichtung im Programm gesondert hervorgehoben. Es gab zudem einen von der Projektwerkstatt Campus in Transition organisierten Nachhaltigkeitsmarkt.

Lange Nacht der Wissenschaften - www.lndw.tu-berlin.de - Campus in Transition - https://www.campus-in-transition.de/

 

 

Kamioni - Digitalisierung der Transportlogistik in der Bauindustrie

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Das Start-up Kamioni wird im Rahmen des Inkubationsprozesses des Centre for Entrepreneurship betreut und ist mit seinem sechsköpfigen Team im Coworking Space der Innovationsplattform EINS angesiedelt. Kamioni digitalisiert die Logistikprozesse in der Bauindustrie.

Dafür wird eine Plattform für die Vernetzung und Koordination von LKW zwischen Baufirmen, Speditionen und Baustofflieferanten entwickelt. Ziel ist es, für einen reibungslosen Materialfluss zu sorgen, damit Bauprojekte effizienter durchgeführt werden und die daran beteiligten Unternehmen profitabler arbeiten können. 

Durch die Reduzierung von CO2 mit effizienter Logistikplanung, weniger Fehlern in der Logistik sowie weniger Leerfahrten und Papierreduzierung durch Digitalisierung der Verwaltungsinfrastruktur der Unternehmen verfolgt Kamioni einen nachweislich nachhaltigen Ansatz und zielt auf die Nachhaltigkeitsziele Nr. 9 „Industrie, Innovation und Infrastruktur“, Nr. 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ sowie Nr. 13 „Klimaschutz und Anpassung“.

Kamioni - www.tu-berlin.de/?197862 

 

 

KiezKlima – Partizipative Entwicklung und Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen

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Im Forschungsprojekt "KiezKlima" wurden in Kooperation mit Projektpartnern verschiedener Disziplinen im Zeitraum 2014 bis 2017 für das Brunnenviertel in Berlin-Mitte lokale Klimaanpassungsmaßnahmen entwickelt. Zudem wurde erforscht, welche Partizipationsmaßnahmen sich besonders eignen, um solche Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln. 

Dazu wurden die lokalen Akteure und Anwohner in verschiedenen Partizipationsverfahren, wie beispielsweise Interviews und Workshops, eingebunden. Für die klimatische Analyse des Projektgebietes wurden Messstationen an Kindertagesstätten als auch in Kooperation mit der ansässigen Wohnungsgenossenschaft errichtet, Modellrechnungen auf mikroklimatischer Ebene durchgeführt sowie Klimadaten langer Zeitreihen ausgewertet. 

Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels mittels partizipatorisch entwickelter Maßnahmen, insbesondere bezüglich des Themas Hitze, war der Schwerpunkt des Projektes. Im Jahr 2016 wurde KiezKlima mit dem "Blauen Kompass" des Umweltbundesamtes als eine der herausragenden Lösungen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Deutschland ausgezeichnet.

Prof. Dr. Dieter Scherer und Daniel Fenner -  - Fachgebiet Klimatologie - www.kiezklima.de  

 

 

Lastenräder auf dem Campus der TU Berlin sollen den Alltag erleichtern

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Hier läuft’s rund. Denn Mitarbeitende des TU-Sports, der Fachgebiete Bioenergetik und Elektrische Energiespeichertechnik, des Instituts für Architektur sowie von der Stabsstelle Sicherheitstechnische Dienste und Umweltschutz (SDU) haben das Lastenrad im Blick. Das Projekt „TranSPORTlastenrad im Ausleihsystem für die TU Berlin“ vom TU-Hochschulsport will ein Lastenrad für einfache Transporte anschaffen. Das Projekt „Weels, Ways & Weights“ vom Fachgebiet Bioenergetik und von der Stabsstelle SDU kann der TU Berlin ein Lastenrad über das Leihsystem der „Flotte Berlin“ anbieten. Zudem wollen sie die Radinfrastrukturen vorantreiben.

Beschäftigen sich beide Projekte mit der Fortbewegung mit Muskelkraft, widmet sich das Projekt „Select“ des Fachgebiets für elektrische Energiespeichertechnik dem Akku-Problem der Elektrofahrradnutzer. Es soll eine Ladestation für Elektrofahrräder entwickelt werden, die autark agiert, Energie aus erneuerbaren Quellen bezieht und bis zur Abgabe zwischenspeichert. Die verwendeten Batterien stammen beispielsweise aus Notebook-Akkus, die an der TU Berlin gesammelt werden.

Ein viertes Projekt wurde vom „Natural Building Lab“ entwickelt. Das Fachgebiet ist am Institut für Architektur angesiedelt und verfolgt einen ganzheitlich nachhaltigen Arbeits- und Denkansatz – es erforscht, entwirft und baut Gebäude weitgehend in Anlehnung an natürliche Kreisläufe. Was das mit dem Lastenrad zu tun hat? Das „TUB PopUp HUB“ ist ein mobiler, flexibler Raum von bis zu 70 Quadratmeter Größe. Die zeltartigen Module können überall aufgebaut und bald per E-Bike mit Lastenanhänger nachhaltig transportiert werden.

 

 

NoGo: Coffee to go

Inzwischen stigmatisiert, aber dennoch weit verbreitet: Der bequeme, aber ressourcenfressende Einweg-Kaffeebecher. Der Kampf gegen die verschwenderische Einweglösung wird über mehrere Ebenen geführt. 

Das Studierendenwerk hat inzwischen eine Pönale für den Einweg-Becher eingeführt, die spürbar ist: Durch einen Aufschlag von 40ct pro Becher konnte der Verbrauch der Becher an der TU-Mensa von 70% (2012) auf unter 40% (2018) gesenkt werden, ohne dass es zu einem Einbruch des Kaffeekonsums kam. Ziel ist, die Quote auf unter 20% zu senken.

Info: www.stw.berlin/mensen/themen/coffee-to-stay.html

„Jährlich verbrauchen wir 3 Milliarden Einwegbecher in Deutschland“ titelt Greenpeace und führte an der TU Berlin im Oktober 2017 eine Fotoaktion gegen Einwegbecher mit Sprüchen wie „Coffee to stay“ oder „Kaffee braucht einen umweltbewussten Genießer“ durch. „Käme das Holz aus dem Tiergarten, wäre er bereits nach einem halben Jahr verschwunden“, so die Motivation. Unter dem Motto „Gesicht zeigen“ haben 120 Studierende der TU Berlin diese Forderung mit ihrem Foto und mit ausgewählten Kommentaren unterstützt, die an dem Info-Stand von Greenpeace ausgestellt wurden und zu regen Diskussionen mit den Kommiliton*innen Anlass gaben.

Studierende der TU Berlin erstellten im Rahmen der Lehrveranstaltung "Umweltmanagement" in Kooperation mit SDU (Sicherheitstechnische Dienste und Umweltschutz) ein Video zur Abfalltrennung von Einweg-Bechern aus Pappe an der TU Berlin. Am Ende wird der Verzicht auf diese Becher thematisiert. So wird auf unterhaltsame Weise ein unattraktives, aber wichtiges Thema auch für die Mehrheit verfügbar.

www.youtube.com/watch?v=3i8R-_nSShc 

www.greenpeace.berlin/2017/11/tu-berlin-statt-coffee-to-go-jetzt-coffee-to-stay 

Kerstin Goldau - SDU 

 

 

Severingelände - Nachhaltige Liegenschaftsentwicklung

Die Liegenschaftsentwicklung eines Universitäts-Campus zu planen, stellt durch die Vielzahl und Heterogenität der Anforderungen eine hochkomplexe Aufgabe dar. Noch größer ist die Herausforderung, wenn nachhaltig geplant werden soll. Dies setzt von Anfang an die ganzheitliche, konzeptionelle und zunächst gleichberechtigte Betrachtung der unterschiedlichen Ansprüche an eine Liegenschaft voraus. Ihre Verortung im Areal als geeignete Bereiche für die jeweiligen Sachverhalte (etwa Mobilität, Freiraumzonierung, Regenwassermanagement, Biodiversität, Energie, Baukörpersituierung, Design für alle usw.)  lässt sich über spezifische Konzepte verdeutlichen. Überlagert man die so entstehenden unterschiedlichen Maßnahmenkonzepte, werden die Interessenskonflikte sichtbar. Dann heißt es, auf Basis angemessener Zielsetzungen abzuwägen, wie, wo und welche Prioritäten gesetzt werden sollen, um schließlich die sinnvoll abgestimmte Kombination für eine ganzheitliche Liegenschaftsentwicklung zu erlangen. 

Beschrieben sind das Vorgehen und die Maßnahmenkonzepte in einer „Checkliste Nachhaltige Liegenschaften“ im Anhang zum BBSR Leitfaden „Nachhaltig geplante Außenanlagen“ (S. 54 f).1)  Orientiert an den Säulen der Nachhaltigkeit – ökologische Qualität, ökonomische, soziokulturell-funktionale Qualität -  wie auch den Querschnittsmaterien - technische Qualität, Prozessqualität und Standortqualität  - werden die für eine ganzheitliche Entwicklung notwendigen Teilaspekte inhaltlich in spezifischen „Maßnahmenkonzepten“ zusammengefasst. 

Vom TU Severingelände zum Campus Salzufer –  Ansätze zur Liegenschaftsentwicklung

Vernetzt mit seinem urbanen Umfeld soll das Severingelände, eine Liegenschaft der TU Berlin am Salzufer, nördlich des Landwehrkanals und östlich der Dovestraße gelegen, grundsätzliche bauliche Veränderungen wie Abriss oder den Neubau von Institutsgebäuden erfahren, da es den aktuellen Ansprüchen eines modernen Universitäts-Campus nicht mehr gerecht wird. Das derzeit trist wirkende Areal soll in einen Ort der Forschung, der Lehre, des Lernens, des Lebens und der Lebensqualität aufgewertet werden. Attraktiv und zukunftsfähig soll der künftige TU Campus Salzufer auch deutliche Freiraumqualitäten aufweisen. Landschaftsarchitektur als urbanistische Disziplin hilft dabei die „passgenaue Antwort auf einen spezifischen sozio-kulturellen Kontext innerhalb der Stadt zu entwickeln“.2)  Innovativ, ganzheitlich und nachhaltig sollen die Lösungen den Anforderungen des frühen 21. Jahrhunderts gerecht werden und perspektivische Antworten geben auf Fragen nach universitärer Forschungsqualität, Klimaverbesserung, zukunftsfähigem Regenwassermanagement, Biodiversität oder lebendigem studentischem Leben. 

Das Maß der Ausnutzung des Grundstücks wie auch die Situierung der Baukörper sind die den Freiraum qualitativ am stärksten beeinflussenden Planungsentscheidungen. Von größter Relevanz sind dabei die Höhenentwicklung und die Ausrichtung (Exposition) der Gebäude, deren Schattenwurf sie bestimmen, womit sie die realisierbare Freiraumqualität definieren wie auch die erzielbaren Sympathiewerte der Außenanlagen. 

Markantes Alleinstellungmerkmal ist die Lage des Campus am sonnigen Landwehrkanalufer. Im Freiraumkonzept Charlottenburg-Wilmersdorf 3) ist hier ein wichtiger überregionaler Grünzug vermerkt. Gravierende Defizite sind allerdings unverkennbar, denn die Grünzug-Funktion wird durch eine weitgehende Nutzung ufernaher Flächen für den fließenden und ruhenden Verkehr massiv eingeschränkt. Landschaftsarchitektonisch optimierbar, stellt gerade dieser Abschnitt am Landwehrkanal ein enormes Zukunftspotenzial für Erholung, Biodiversität und Regenwassermanagement dar. Die innige Verknüpfung von Flussraum und urbanem Umfeld im Zuge der Transformation zum Campus Salzufer kann dazu beitragen, dass der überregionale Grünzug auch tatsächlich in seiner essenziellen (als Fließgewässer auch nicht zu verlagernden) Funktion voll inhaltlich wirksam werden kann. Das einzigartige Freiraumpotenzial am Landwehrkanalufer verlangt sensible Zurückhaltung, sollte der ehrgeizige Wunsch nach einer markanten Uferverbauung laut werden.

Um die ökologischen Vernetzungsfunktionen in Flussnähe und damit die Biodiversität durch Trittstein-Biotope zu stärken, sind Begrünungen von Institutsgebäuden vorgesehen. Wo diese als nutzbare, klimafreundliche Intensivbegrünungen geplant sind, bieten die grünen Dächer Kompensation zum beschränkten Freiraumangebot auf Erdgeschossebene. Als unentbehrliche Elemente des nachhaltigen Städtebaus ermöglichen Intensivbegrünungen langlebige Ersatzbiotope auf Dächern und bringen zudem hohe Biotopflächenwerte (BFF-Werte). 

Forschung und Lehre wollen zudem die Wirkungen von Intensivbegrünungen ausloten. Nicht zuletzt im Interesse künftiger Ernährungssicherheit braucht es universitäre Orte, wo sich das spezifische Potenzial urbaner Flachdächer erproben lässt, werden doch seit Jahrzehnten „die für die Ernährung der Menschen so wichtigen Ökosysteme immer stärker belastet“ 5)  bzw. fruchtbare Böden kontinuierlich reduziert. 

In die Baustrukturen eingebettete Freiräume – freiraumtypologisch ist es eine Abfolge von Höfen, ‚durchfließendem‘ Grün sowie begrünten Dachterrassenlandschaften - sollen universitäres Leben mit hoher Aufenthaltsqualität begünstigen. Gesucht wird nach „vitalen, aneignungsfähigen Alltagsorten“ 4) und einer Freiraumzonierung, die studentische Arbeitsplätze im Freien, Freibereiche für Forschung und Werkstätten, Mensa oder Gastronomie, Bereiche für sportliche Erholungspausen, mit Kühlungseffekten, Pflanzenproduktion, ggf. auch Möglichkeiten der Kinderbetreuung und zum Spazieren - alles integriert in lockeres, ansehnliches Grün, begünstigt. 

Neu zu denken ist die Mobilität und generelle Verkehrsorganisation, um die propagierte „Stadt der kurzen Wege“ zu erzielen, die Fußgänger- und Fahrradfreundlichkeit zu steigern und bei gleichzeitiger Minimierung von Flächen für den motorisierten Individualverkehr ausreichende Flächen für Feuerwehr-, Anlieferungs-  und Werkstätten-Manipulationsflächen zu gewähren. Dabei einen geringeren Versiegelungsgrad als bislang zu erreichen, ist ein generelles Ziel.

Maßnahmenkonzepte als grundlegende Schritte zum nachhaltigen Campus

Basis für die Aufgabenstellung im Rahmen eines studentischen Projektes und die Überlegungen aus freiraumplanerisch-landschaftsarchitektonischer Sicht waren die von der TU-Abteilung IV Gebäude- und Dienstemanagement dankenswerter Weise zur Verfügung gestellten Unterlagen, sowie durch eigene Begehungen und Analysen erhaltene Kenntnisse von den Gegebenheiten im Bereich Severin-Geländes. Die Bestandsaufnahme zeigt das größtenteils versiegelte Areal.

 

 

Bild: Bestandssituation Severingelände

Am Beispiel des besonders gelungenen Entwurfs im Masterstudio Landschaftsarchitektur von Florian Rüster, B.Sc. 6) wurden die unterschiedlichen Maßnahmenkonzepte, die zum nachhaltigen Liegenschaftsentwicklungsplan für den künftigen „Campus Salzufer“ führen, exemplarisch durchgespielt. Eine Schattenstudie verdeutlicht die Aufenthaltsqualität zu verschiedenen Tageszeiten Ende März und Ende September.

 

 

 

Bild: Entwurf von Florian Rüster

Verlangt werden in der „Checkliste Nachhaltige Liegenschaften“ im Anhang zum BBSR Leitfaden „Nachhaltig geplante Außenanlagen“ 1) folgende Maßnahmenkonzepte zur ökologischen Qualität (S. 55) 1): ein „Wasser- und Abwasserkonzept mit dezentraler Regenwasserbewirtschaftung“; ein Konzept zu „Bodenschutz und Versiegelungsgrad“, zum „Klimawandel“ und zur „Biodiversität“.

 

 

 

Bild: Zwei Beispiele von ökologischen Aspekten zum Maßnahmenkonzept

Um die Nachhaltigkeit hinsichtlich ökonomischer Qualität (S. 56) 1) zu gewährleisten werden Maßnahmenkonzepte zu „Kosteneffizienz-, Transformations- und Umnutzungseignung“ gefordert wie auch ein „Mehrfachnutzungskonzept“, ein Maßnahmenkonzept „zu Vorsorge-, Reserve- und Wartungsflächen“ und ein Konzept zur „Energie“. 

Die soziokulturell-funktionalen Qualitäten (S. 57) 1) soll ein „Freiraumzonierungskonzept“ garantieren, ein Konzept zu „Erschließung und Mobilität“, eines zum „Design für alle / zu Barrierefreiheit und Gendergerechtigkeit“; ein Maßnahmenkonzept zu „Bewegung und Spiel“ und falls zutreffend, eines zur „Denkmalpflege“. 

 

 

Bild: Soziokulturelle und funktionale Qualitäten an zwei Beispielen

Für die Technische Qualität (58) 1) wird ein Maßnahmenkonzept zum „Angepassten Technologieeinsatz“, ein „Materialkatalog“ sowie ein „Freimachungs- und Recyclingkonzept“ gefordert. 

 

Bild: Technologieeinsatz als Beispiel für die technische Qualität

Um die Prozessqualität (58) 1) abzubilden, werden ein Maßnahmenkonzept zur „Integralen Planung“ und ein „Informations- und Partizipationskonzept“ verlangt.

 

 

Bild: Maßnahmenkonzept zur „Integralen Planung

Nachhaltigkeit in Bezug auf die Standortqualität (58) 1) soll ihren Niederschlag finden im „Bebauungskonzept“ und – falls zutreffend – im „Regionalen Hochwasserschutzkonzept“.  

Eine frühe Fokussierung auf unterschiedliche Ansprüche an ein Areal in Form von Maßnahmenkonzepten machen Konflikte und Synergien sofort erkennbar und erwirken die Aushandlung sinnvoller Lösungen. Von Beginn an mitgedacht, repräsentieren Maßnahmenkonzepte die Basis zur Erzielung einer nachhaltigen Liegenschaftsentwicklung.

Kontakt - Frau Prof. Cordula Loidl-Reisch -  - www.objektbau.tu-berlin.de/ 

  1. RICHTER, Eike, LOIDL-REISCH, Cordula et al; BBSR (Hg.): 2012, 2018 (2): Leitfaden „Nachhaltig geplante Außenanlagen“ Berlin (Eigenverlag)
    www.nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/veroeffentlichungen/Aussenanlagen_barrierefrei2019.pdf

  2. S. 154 in:  PETROW, Constanze A. 2016: Landschaftsarchitektur als urbanistische Disziplin. S. 154,155 in: Grosch, L., Petrow, C. A.: Parks entwerfen. Berlins Park am Gleisdreieck oder die Kunst, lebendige Orte zu schaffen. Berlin, Jovis Verlag

  3. FREIRAUMKONZEPT CHARLOTTENBURG WILMERSDORF:
    www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/verwaltung/aemter/umwelt-und-naturschutzamt/naturschutz/freiraumplanung/artikel.112935.php

  4. S. 155 - in:  PETROW, Constanze A. 2016: Landschaftsarchitektur als urbanistische Disziplin. S. 154,155 in: Grosch, L., Petrow, C. A.: Parks entwerfen. Berlins Park am Gleisdreieck oder die Kunst, lebendige Orte zu schaffen. Berlin, Jovis Verlag

  5. S. 4 in: MÖLLER, Uwe (2017): Auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft. S. 4 in: Zuschnitt 65, Zeitschrift proholz Austria

  6. PASEL, Ralf; LOIDL-REISCH, Cordula (Hg.) (2018): Campus Salzufer. Berlin: Universitätsverlag der TU Berlin

     

Strategien für Nachhaltiges Planen und Bauen - Modul im Architekturstudium

Ein Pflichtmodul im Masterstudiengang Architektur des Fachgebiets Gebäudetechnik und Entwerfen unter Prof. Claus Steffan. 

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist im Bausektor zu einem Modewort verkommen. Das Master-Pflichtmodul versucht sich vor diesem Hintergrund an einer zeitgemäßen Definition dieses Begriffs und identifiziert darauf aufbauend Strategien für den Entwurf, die Errichtung, den Betrieb und Unterhalt sowie den Rückbau von Gebäuden und Siedlungsstrukturen. Die Lehrveranstaltung umfasst das Lesen und Vorbereiten von Texten (deutsch und englisch), die Bezug auf folgende Themen nehmen: Ort und Kontext, Nutzung und Akteure, Körper und Klima, Ressourcen und Materialien, Technik und Natur. Es wird außerdem von einer Reihe methodischer Inputs durch Filme und Vorträge begleitet. Zuletzt soll die eigene Entscheidungsfähigkeit an einem Anwendungsbeispiel trainiert werden.

Prof. Claus Steffan,  - http://blog.gte.tu-berlin.de/ 

 

 

Studienprojekte mit Nachhaltigkeitsbezug in den Studiengängen Stadtökologie sowie Ökologie und Umweltplanung

In den Studiengängen Ökologie und Umweltplanung und Stadtökologie bildet neben dem Besuch von Vorlesungen und Seminaren, der Abhaltung von Übungen und Exkursionen auch und im Speziellen die themenbezogene Projektarbeit in Gruppenform einen gewichtigen Schwerpunkt der Ausbildung. Innerhalb dieser Lehrform sollen die Studierenden die zuvor und begleitend theoretisch vermittelten analytischen Instrumentarien in der Praxisnähe anwenden, schulen und verinnerlichen. 

Dr. Marco Otto - Fachgebiet Klimatologie -  - www.klima.tu-berlin.de/Studienprojekte 

 

 

Umwelttechnisch Integrierte Lehrveranstaltung - UTIL

Lupe
Lupe

Die UTIL ist eine studentisch organisierte Lehrveranstaltung am Institut für Technischen Umweltschutz, welche als zweisemestriges Pflichtmodul (mit je 6 Leistungspunkten) für Studierende des 4. und 5. Semesters im Bachelor Technischer Umweltschutz angeboten wird und in dieser Form einzigartig an der TU Berlin ist. 

Im ersten Teil der LV werden Grundlagen im wissenschaftlichen Arbeiten vermittelt, in dem eigenständig in Kleingruppen eine wissenschaftliche Arbeit mit Umweltbezug erstellt wird. Vernetzung mit Projekten in der Region ist erwünscht, z.B. mit dem Repair-Café in der Brunnenstraße. Am Ende des Semesters werden die Arbeiten vor fachkundigem Publikum auf dem UTIL-Kongress präsentiert. Zahlreiche Exkursionen ermöglichen spannende Einblicke in die vielfältigen Berufsfelder des Studiengangs.

Im zweiten Teil der UTIL befinden sich die Studierenden in einem realitätsnahen Planspiel mit dem Leitthema „Verbesserung der Lebensqualität in urbanen Ballungsräumen am Beispiel Berlins“ – aktuell ist ein nachhaltiges Entwicklungskonzept für das Gelände des Flughafens Tegel zu entwerfen. Dabei werden durch die Auseinandersetzung mit umwelttechnischen Maßnahmen Konflikte und Synergien unter Betrachtung aller drei Nachhaltigkeitsbereiche beleuchtet. Die dabei entstehenden ganzheitlichen Gesamtkonzepte werden am Ende des Semesters auf einer Postervernissage präsentiert.

Wichtige Lehrinhalte der UTIL sind das Erkennen und Verknüpfen von Problemfeldern und eine kritische Auseinandersetzung mit umwelttechnischen Verfahren. Die Studierenden werden auch dazu inspiriert, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen und ressourcenschonendes Denken und Handeln im Alltag umzusetzen

UTIL-Tutor/innen -  - www.util.tu-berlin.de

 

 

Zentrum Technik und Gesellschaft - ZTG

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Das Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) ist eine Einrichtung der TU Berlin, die etabliert wurde, um Forschung jenseits disziplinärer Grenzen zu realisieren. Das ZTG greift aktuelle gesellschaftliche Probleme und Themen im Spannungsfeld Technik und Gesellschaft auf und bearbeitet diese gemeinsam mit Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen und relevanten Praxisakteuren, z. B. aus der Zivilgesellschaft, Wirtschaft oder staatlichen Institutionen. Durch die inter- und transdisziplinäre Perspektive werden die sozialen, rechtlichen, ökonomischen und nutzerspezifischen Belange von Anfang an in Innovations- und Transformationsprozesse integriert und so technologische und planerische Gestaltungsprozesse auf eine breitere Basis gestellt. Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung in der Durchführung derartiger Projekte hat sich das ZTG zu einem Kompetenzzentrum für Methoden inter- und transdisziplinärer Forschung entwickelt.

Forschungsbereiche: Klima und Energie / Landnutzung und Konsummuster / Mobilität und Raum / Sicherheit, Risiko,  Kriminologie / Soziale Bewegungen, Technik,  Konflikte / Wissenschaftsforschung

Querschnittsbereiche: Nachhaltigkeit / Partizipation / Governance- und Innovation

Zentrum Technik und Gesellschaft - ZTGhttps://www.tu-berlin.de/ztg/menue/startseite_ztg/

 

 

Zukunft Bauen – generationsübergreifend Zukunft planen - BANA Projektwerkstatt

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Eine von BANA Studierenden initiierte TU-Projektwerkstatt beschäftigt sich seit dem Sommersemester 2018 generationsübergreifend mit dem Thema „Zukunft Bauen – generationsübergreifend Zukunft planen“. Die Werkstatt ist in der Fakultät VI, Architekturpsychologie, angesiedelt und involviert BANA-Studierende, andere Studierenden und Praxispartner. Die Projektidee fußt unter anderem auf die Zusammenarbeit mit einem Caritas-Wohnprojekt „Mehrgenerationenhaus“, in dem BANA-Studierende und Bewohner zusammen ein generationsübergreifendes Gartenprojekt realisieren. 

Zukunft Bauen - www.banastudenten.de/index.php/start-projektwerkstatt.html

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